Oh scheiße, das Leben bewegt sich und es bewegt sich verdammt schnell. Ab und zu habe ich das Gefühl obenauf zu schwimmen, aber insgesamt macht es mich so sehr glücklich. In meinem Kopf bin ich unendlich frei. Es ist, als wäre mein Kopf leergefegt worden und es bleibt ein spartanisch eingerichtetes Zimmer zurück. Mit weißen Wänden, an die ich hemmungslos Farbe knalle. Permanent bin ich von Springwut gebeutelt, die mich durch die Straßen tanzen lässt, scheiß egal, wer mich sieht. Und was ich alles fühle. Das ist der Wahnsinn! Es scheint wirklich so, als hätte sich mein verfügbares Emotionsspektrum auf das zehnfache der letzten Jahre erweitert. Ich bin so voller Glück und Leben, dass ich teilweise gar nicht mehr weiß, wohin damit. Und dann gehe ich laufen. Renne durch die Straßen oder auf dem Laufband und die Problematik, die irgendwo im Hinterkopf schwirrt reduziert sich nur noch auf eins: Weiter kommen. Und darum geht es doch, nicht wahr?
“Frisch bezogene Betten lösen bei mir immer einen kleinen Orgasmus aus.”
Ich sitze auf dem Bett neben ihm und bin mir meiner Sache irgendwie nicht sicher. Ich werde langsam nüchtern und fange an, die Welt in realistischen Farben zu betrachten. Dann pack ich’s. Ich nehme den übrig gebliebenen Rest der Partygesellschaft mit zu mir nach Hause, koche einen Topf Nudeln und lasse passieren. Dass das Ganze dann drei Tage dauert… Tja, wer hätte das gedacht. Da war das Schicksal einfach mal ziemlich gerecht zu mir.
“Da liegt die Crux im Pfeffer begraben. Mehr Phrase geht nicht.”
Ich habe in letzter Zeit so viel gelacht, aber ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so viel und so laut und so aus voller Kehle gelacht, wie in diesen drei Tagen. Wir belustigten uns darüber, dass wir Regenbögen scheißen, aber im Ernst: Erzählt mir was von Drogen, ich glaube es keinem von euch, dass das besser sein soll, als die Kombination aus Schlafentzug, tausend Küssen und dem Gefühl auf einer Wellenlänge zu sein. Und sollte man es doch hin und wieder nicht sein, dann bereichert man sich. So ist es gut.
“iPhone-Bingo. ( @nikstohn : I won this time)”
Ich habe eine verdammt gute Menschenkenntnis entwickelt. Je mehr ich mich kennenlerne, desto sensibler werde ich für die Schattenseiten der Menschen, die in mein Leben treten. Es mag hin und wieder sehr anstrengend sein, dass ich das auch so erbarmungslos ehrlich raushaue, aber wem es nicht passt, der kann ja gehen. Ich sehe nicht mehr nur das, was Glanz und Glorie ausstrahlt, ich sehe auch, dass dahinter etwas liegt, was diese Menscehn zu dem macht, was sie sind: Wie ich.
“Berliner Nächte sind lang.”
War ein bisschen zu viel des Guten in den letzten Tagen und ich hatte einen kleinen Absturz, mich aber danach selbst in den Arm nehmen können, mich an mein Küchenfenster getragen und die Beine in die kühle, Berliner Nacht gestreckt. Und dann saß ich da, und habe einem Lied gelauscht, dass mich diesem einen Menschen näher bringt und dem ich mehr bedeute, als es gut für ihn ist. Und dann hab ich nachgedacht. Ich dachte an die Fäden, die ausgesponnen habe und die es galt zu zerreißen. Diese Fäden zu Menschen, die ich gar nicht richtig wahrgenommen habe. In meinem Wahn, mich irgendwo unterordnen zu wollen, habe ich Helden aus ihnen gemacht und das hatten sie gar nicht verdient. Aber ich bereue nichts. Ich bin nur traurig darüber, dass ich sie niemals so kennenlernen werde, wie sie wirklich sind. Das “Mehr” sehen, das sich hinter den Zeilen und Phrasen verbirgt. Ich schaue zu, wie sie sich winden und versuchen, ihren Weg zu gehen, so wie ich. Und plötzlich sind sie mir so viel näher, weil sie mir so viel ähnlicher erscheinen, obwohl sie rein emotional gesehen, meilenweit entfernt sind.
“Restrauschen.”
Es klingt nach. Es klingt hunderte von Kilometern nach und hinterlässt in meinem Kopf ein angenehmes, wattiges Gefühl. Mein Herz schlägt höher und ich verhalte mich peinlich. Ist schon irgendwie interessant, denke ich, als ich über die Pflastersteine springe und versuche, nicht die Rillen zu berühren, dass einige Sachen genauso geblieben sind, während andere Sachen komplett in den Hintergrund verdrängt wurden. Bin nach wie vor kindisch. Bin immer noch Werther.
“Cool, bin in einem Club gelandet, der so verranzt ist, dass man die Türen auf Klo mit dem Fuß zuhalten muss. Hier bleib ich.”
Bonn macht Laune. Ich beobachte Gruppendynamiken und schaffe alles mit einer Leichtigkeit, dass man Angst haben muss, ich würde abheben. Parks und Street Art. Ein Morgen im Krankenhaus. Eindrücke, die es defintiv gilt zu verarbeiten in den nächsten Tagen. Dachterrassenflair und Leitungswasser aus Weingläsern, bis die Sonne aufgeht.
“Knutschen ist schöner als SMS.”
Ist es.