Die Summe aller Dinge.

Es sieht nur aus, wie Tagebuch. Jetzt mal ehrlich: wer könnte so viel Drama vertragen?

“Je vais bien, ne t’en fais pas.”

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Zwischen all dem Vermissen, dem Hinterhertrauern, dem Ungleichgewicht und der Schnelllebigkeit, stellst du dich in den Mittelpunkt meines Lebens und gibst mir ein Zentrum um das ich bauen kann. Ich reiße nicht mehr ein, ich erschaffe.

Wir fassen uns an den Händen und beschreiten erhobenen Hauptes die Welt, die sich vor uns ausbreitet. Wir schauen um die Ecken unseres Lebens um zu entdecken. Liebe, Sex und Fingerspitzen auf nackter Haut. Das ist alles schon mal da gewesen. Das ist alles nichts neues. Das ist alles Klischee. Trotzdem erschaffst du in mir einen Raum, in dem ich neu erleben darf. Ein Raum, in dem ich wieder jung und unerfahren bin. Du stellst die Uhren auf Null und ich darf von vorne anfangen, ohne dafür zurück gehen zu müssen. 

Durch meine Adern fließt Unendlichkeit. In meinem Kopf rauscht Glückseligkeit. Wenn du mich küsst, habe ich keine Angst. “Keine Sorge, mir geht es gut”.

Electroflug.

Als ich kleiner war habe ich nie geglaubt, dass Wolken Dampf sind. Dass sie sich nicht greifen lassen. Dass sie einen nicht abstürzen lassen, wenn man sich in sie fallen lässt. Ich bin älter geworden und habe mir erzählen lassen, habe selbst die Erfahrung machen dürfen, dass Wolken keine solide Grundlage sind, auf der es sich zu wandeln lohnt.

In meinem Kopf hat sich eine Wolkenmasse angesammelt. Sie ist dicht und undurchdringlich. Sie verschleiert die Erkenntnisse zu denen ich in den letzten Wochen gelangt bin. Sie lässt mich nicht ausreden, sie lässt mich nicht mal ausdenken.

Die Wolken in meinem Kopf setzten sämtliche Gesetze der Physik außer Kraft; ich kann nicht durch sie hindurchgleiten. Ich bin gefangen in der Schwerelosigkeit. Ich bin von innen heraus aufgelöst und gleichzeitig tief und fest verbunden. Ich kann nicht einmal bestimmen, ob mir dieser Zustand Angst macht. Ist das alltägliche Rauschen verschwunden, oder ist es so laut, dass ich mich selbst nicht mehr hören kann?

Vielleicht fühlt sich so Zufriedenheit an.

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Unicorns

Bonn. 2012

We are the last Men standing.

Oh scheiße, das Leben bewegt sich und es bewegt sich verdammt schnell. Ab und zu habe ich das Gefühl obenauf zu schwimmen, aber insgesamt macht es mich so sehr glücklich. In meinem Kopf bin ich unendlich frei. Es ist, als wäre mein Kopf leergefegt worden und es bleibt ein spartanisch eingerichtetes Zimmer zurück. Mit weißen Wänden, an die ich hemmungslos Farbe knalle. Permanent bin ich von Springwut gebeutelt, die mich durch die Straßen tanzen lässt, scheiß egal, wer mich sieht. Und was ich alles fühle. Das ist der Wahnsinn! Es scheint wirklich so, als hätte sich mein verfügbares Emotionsspektrum auf das zehnfache der letzten Jahre erweitert. Ich bin so voller Glück und Leben, dass ich teilweise gar nicht mehr weiß, wohin damit. Und dann gehe ich laufen. Renne durch die Straßen oder auf dem Laufband und die Problematik, die irgendwo im Hinterkopf schwirrt reduziert sich nur noch auf eins: Weiter kommen. Und darum geht es doch, nicht wahr?

“Frisch bezogene Betten lösen bei mir immer einen kleinen Orgasmus aus.”

Ich sitze auf dem Bett neben ihm und bin mir meiner Sache irgendwie nicht sicher. Ich werde langsam nüchtern und fange an, die Welt in realistischen Farben zu betrachten. Dann pack ich’s. Ich nehme den übrig gebliebenen Rest der Partygesellschaft mit zu mir nach Hause, koche einen Topf Nudeln und lasse passieren. Dass das Ganze dann drei Tage dauert… Tja, wer hätte das gedacht. Da war das Schicksal einfach mal ziemlich gerecht zu mir.

“Da liegt die Crux im Pfeffer begraben. Mehr Phrase geht nicht.”

Ich habe in letzter Zeit so viel gelacht, aber ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so viel und so laut und so aus voller Kehle gelacht, wie in diesen drei Tagen. Wir belustigten uns darüber, dass wir Regenbögen scheißen, aber im Ernst: Erzählt mir was von Drogen, ich glaube es keinem von euch, dass das besser sein soll, als die Kombination aus Schlafentzug, tausend Küssen und dem Gefühl auf einer Wellenlänge zu sein. Und sollte man es doch hin und wieder nicht sein, dann bereichert man sich. So ist es gut.

“iPhone-Bingo. ( @nikstohn : I won this time)”

Ich habe eine verdammt gute Menschenkenntnis entwickelt. Je mehr ich mich kennenlerne, desto sensibler werde ich für die Schattenseiten der Menschen, die in mein Leben treten. Es mag hin und wieder sehr anstrengend sein, dass ich das auch so erbarmungslos ehrlich raushaue, aber wem es nicht passt, der kann ja gehen. Ich sehe nicht mehr nur das, was Glanz und Glorie ausstrahlt, ich sehe auch, dass dahinter etwas liegt, was diese Menscehn zu dem macht, was sie sind: Wie ich.

“Berliner Nächte sind lang.”

War ein bisschen zu viel des Guten in den letzten Tagen und ich hatte einen kleinen Absturz, mich aber danach selbst in den Arm nehmen können, mich an mein Küchenfenster getragen und die Beine in die kühle, Berliner Nacht gestreckt. Und dann saß ich da, und habe einem Lied gelauscht, dass mich diesem einen Menschen näher bringt und dem ich mehr bedeute, als es gut für ihn ist. Und dann hab ich nachgedacht. Ich dachte an die Fäden, die ausgesponnen habe und die es galt zu zerreißen. Diese Fäden zu Menschen, die ich gar nicht richtig wahrgenommen habe. In meinem Wahn, mich irgendwo unterordnen zu wollen, habe ich Helden aus ihnen gemacht und das hatten sie gar nicht verdient. Aber ich bereue nichts. Ich bin nur traurig darüber, dass ich sie niemals so kennenlernen werde, wie sie wirklich sind. Das “Mehr” sehen, das sich hinter den Zeilen und Phrasen verbirgt. Ich schaue zu, wie sie sich winden und versuchen, ihren Weg zu gehen, so wie ich. Und plötzlich sind sie mir so viel näher, weil sie mir so viel ähnlicher erscheinen, obwohl sie rein emotional gesehen, meilenweit entfernt sind.

“Restrauschen.”

Es klingt nach. Es klingt hunderte von Kilometern nach und hinterlässt in meinem Kopf ein angenehmes, wattiges Gefühl. Mein Herz schlägt höher und ich verhalte mich peinlich. Ist schon irgendwie interessant, denke ich, als ich über die Pflastersteine springe und versuche, nicht die Rillen zu berühren, dass einige Sachen genauso geblieben sind, während andere Sachen komplett in den Hintergrund verdrängt wurden. Bin nach wie vor kindisch. Bin immer noch Werther.

“Cool, bin in einem Club gelandet, der so verranzt ist, dass man die Türen auf Klo mit dem Fuß zuhalten muss. Hier bleib ich.”

Bonn macht Laune. Ich beobachte Gruppendynamiken und schaffe alles mit einer Leichtigkeit, dass man Angst haben muss, ich würde abheben. Parks und Street Art. Ein Morgen im Krankenhaus. Eindrücke, die es defintiv gilt zu verarbeiten in den nächsten Tagen. Dachterrassenflair und Leitungswasser aus Weingläsern, bis die Sonne aufgeht.

“Knutschen ist schöner als SMS.”

Ist es.

Der erste Bericht über das Leben an sich.

Ich erwache und bin betrunken. Betrunken, nicht vom Alkohol (wo denkt man hin, bin schließlich erwachsen), sondern vom Leben. Der Gedanke klebt klischeehaft an meinen anderen und setzt sich fest. Das Leben. Das war gestern dabei sein und sich treiben lassen. Schlechte Musik zu ertragen, betrunkene Kerle abzuwimmeln und den Abend zu genießen. Leben. Das war heute Morgen bei einem Typen aufzuwachen, dem ich gestern Nacht auftrug, mir in der Frühe in den Arsch zu  treten, damit ich zum Bahnhof gehe. Ich hab echt schon viel erlebt, aber das Leben nimmt am Morgen, wenn man noch verschlafen ist, wirklich skurrile Formen an. Man weiß genau, dass man nur zwei Stunden geschlafen hat, dass immer noch die selben interessanten Gestalten um einen rum sind, dass es nach wie vor hell ist, dass es, genauso wie beim einschlafen wild nach Jugend und Exzess riecht, in diesem Raum, und trotzdem ist man überrascht, wenn man aufwacht.

Ich liebe das. Ich liebe es, in fremder Menschen Leben einzutauchen, wenn sie mich dazu einladen.  Wenn sie mir einen Platz zum Sein anbieten und ich genau das machen kann für ein paar Stunden. Ich will keine ganze Hand, mir reicht der kleine Finger. Es reicht mir, wenn ich für einen kurzen Moment ein Leben in mich aufsaugen kann, das nicht das meine ist. Am liebsten ist es mir, wenn das Leben absurd und wild ist. Wenn es bunt ist und ganz anders als der geordnete Scheiß, den ich mir selbst beibringen muss, hallo?! Bin schließlich erwachsen.

Bin früh aufgebrochen. Meine Nase tut so scheiße weh, weil mich gestern einer mit zu viel Lust angetanzt hat. Ich hab keine Handynummer, weder bekommen, noch vergeben und das gefällt mir. Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob es mich stört, aber nach intensiver Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass alles so schöner ist. Er hat mein Hemd. Das sollte doch Grund genug sein, noch mal wieder zu kommen. Verdammt, der Kerl war ein Jahr jünger als ich und hatte einfach so viel Stärke. Solche Menschen bewundere ich ja immer. Da bin ich ganz schnell dabei, nur die Seite an ihnen zu sehen, die sie mir präsentieren und dass das Quatsch ist, sollte ich eigentlich am Besten wissen. Da ist bestimmt auch Schwäche. Da ist bestimmt auch Angst. Ich allerdings sehe nur seine Tattoos und sein versifftes Zimmer. Sein cooles Rennrad und seine Prinzipien, die so straight an dem vorbeigehen, was die Menschen in meinem Alltag zu verfolgen. Er is ne coole Sau.
Gefragt, ob es ein Fehler war, ihm nicht meine Handynummer zu geben, habe ich mich vor einem sensationellen Ausblick auf diverse Hinterhöfe und einer Prise frische klare Bremer Luft im mindestens 8. Stockwerk eines ultrahässlichen Hauses. Keine Ahnung, wie viele Stockwerke es wirklich waren; hab nicht gezählt.
Zu sagen, dass ich mit der Situation cool umgegangen wäre, ist definitiv übertrieben. Im Grunde war es mehr als peinlich, wie ich noch mal kurz zurück lief, zum Glück war die Tür auf dem Flur abgeschlossen.

Also brach ich auf. Habe mich an den Bahnhof gesetzt und in einer verkaterten Langsamkeit meinen 10kg Rucksack neu geordnet. Extrem geiles Gefühl. Direkt aus diesem riesen Scheißteil zu leben. Man fühlt sich frei und neu. Man hat einen Haufen idiotischer Gedanken, die man in irgendwelchen Roadmovies aufgeschnappt hat. Aber verdammter Kack: Wenn man mit dem, von Zahnpasta umschäumten, Mund über dem Waschbecken von irgendeiner Bahnhofstoilette hängt und neben sich einfach nur dieses Monsterteil von einem Rucksack stehen hat, von dem man weiß, dass sich darin gerade der gesamte Hausstand für die nächsten drei Monate steckt, dann ist das einfach gut. Dann ist das jung und schön und sollen die Leute doch denken, was sie wollen, ich bin schließlich auf dem Weg.

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